Trockenfutter oder BARF?

Vorab soll dieser Artikel keine ernährungswissenschaftliche Arbeit sein, sondern lediglich Hundehaltern die „Angst“ davor nehmen, an ihren Hund artgerecht (rohes) Fleisch zu verfüttern.

Anscheinend ist es tatsächlich „Angst“ oder vielleicht eher Zweifel, die von vielen Hundehaltern ausgeht, wenn es um das Thema geht, rohes Fleisch zu füttern.

Da ich im Laufe der letzten Jahre und heute immer noch Gespräche mit Hundehaltern über ihre Zweifel betreffend die Rohfleischfütterung führe, sehe ich mich veranlasst, einen kleinen Erfahrungsbericht für alle, die es interessiert, zu schreiben.

Ich schildere hier meine eigenen Erfahrungen zu der Umstellung von Trockenfutter auf rohes Fleisch, die viele in meinem Bekannten- und Freundeskreis mit mir teilen konnten.

Ich selbst habe zu Beginn aufgrund von diversen Empfehlungen ein sehr teures Trockenfutter an meine Hündin Samy verfüttert, da ich unwissenderweise dachte, es wäre die beste Nahrung für sie.
Nachdem ich mich aber näher mit dem Thema beschäftigt hatte, grauste mir regelrecht davor, was Samy tagtäglich in ihrem Futternapf vorfand.

Die meisten Menschen – so wie ich damals selbst auch  – lesen das Etikett des Hundefutters nur sehr oberflächlich.
Wenn man aber genauer unter den Inhaltsstoffen bzw. Zusammensetzung nachliest, findet man Zutaten wie:
Mais, Maisfuttermehl, Maiskleberfutter, Tiermehl etc.

Die sogenannten Vitamine, die enthalten sein sollen, werden künstlich und häufig viel zu hoch dosiert zugesetzt.
Trockenfutter enthält natürlich auch Konservierungsstoffe, da eine so lange Haltbarkeit von ca. einem Jahr sonst nicht zu erreichen wäre.

Bei sehr vielen Dosenfuttersorten für Hunde, aber auch bei Trockenfutter findet man unter der Zusammensetzung häufig den Wortlaut: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, davon mind. 4 % Fleisch“.

Was sind „tierische Nebenerzeugnisse“?

Darunter kann man sich meistens Folgendes vorstellen:

Hufe, Häute, Blut, Federn, Krallen, Augen und vielem mehr, was sich auch häufig unter dem Begriff „Tiermehl“ verbergen kann.

Dass diese Schlachtabfälle für keinen Hund nahrhaft sind, sollte jedem klar sein. Außerdem ist meist nur sehr wenig „richtiges Fleisch“ in einer Dose oder einem Futtersack etc. mitverarbeitet.

Ich gehe hier nicht von allen Arten von Trocken- oder Dosenfutter aus – lies einfach selbst genauer bei den Inhaltsstoffen nach, was sich im Futter deines Hundes befindet.

Häufig hörte ich folgende Aussage von Hundehaltern:
„Eigentlich würden wir sehr gerne rohes Fleisch an unseren Hund verfüttern, aber wir trauen uns nicht.“

Für mich war das zunächst nicht nachvollziehbar, was das „Sich-Nicht-Trauen“ betraf.
Nach genaueren Nachfragen kamen einige Mythen zum Vorschein, die sich immer noch hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt haben.

Dass Hunde Fleischfresser sind, ist uns allen klar, daher gehe ich auf die Vorteile von der Fütterung von Fleisch nicht näher ein.

Wenn es „nur“ daran scheitert, dass Menschen ihren Hunden kein Fleisch geben, weil veraltete, widerlegte Theorien sie daran hindern, ist das für mich Grund genug, diesen kleinen Artikel für euch zu verfassen. Hoffentlich kommen dann all die Bellos und Bellas endlich zu gutem Futter 🙂

Ich gehe hierbei immer davon aus, dass der Hund nicht an einer Futtermittelallergie, an Unverträglichkeiten oder Krankheiten leidet.

 

Mythos Rohfleischfütterung

Auf folgende Mythen stoße ich häufig, wenn es um die Fütterung von rohem Fleisch geht:

„Hunde werden krank von rohem Fleisch“

Hunde verfügen – im Gegensatz zu uns Menschen – über einen sehr kurzen Darmtrakt, sodass die Nahrung schnell verdaut und ausgeschieden wird.
Pflanzliche Nahrung hingegen benötigt eine längere Verdauungszeit, weswegen wir Menschen bspw. einen sehr langen Verdauungstrakt besitzen.

Natürlich ist frisches, rohes Fleisch nicht keimfrei, aber durch die recht kurze Verweildauer im Darm, erkranken unsere Hunde in der Regel nicht an rohem Fleisch.

Ein gesunder Hund, der mit rohem Fleisch gefüttert wird, verfügt über Magensäure, die Keimen kein gutes Überlebensklima bietet. Wenn dem doch so wäre, wären wohl viele Landraubtiere schon lange ausgestorben 🙂

„Hunde bekommen Durchfall bei der Umstellung auf rohes Fleisch“

Wenn Hunde zuvor bspw. mit Trockenfutter ernährt wurden, kann eine plötzliche Umstellung auf das ungewohnte rohe Fleisch natürlich dazu führen, dass der Magen überreagiert. Es kann zu Durchfall kommen.

Um dem entgegen zu wirken, kann man sich einfach an folgende Tipps halten, damit die Umstellung ohne Probleme vonstatten gehen kann:

1. Am besten die ersten zwei Tage der Umstellung das Fleisch abkochen, sodass es wirklich durchgekocht ist.

2. Die nächsten zwei Tage das Fleisch nur mehr halb abkochen.

3. Dann kochst Du weitere zwei Tage das Fleisch immer weniger ab, bis es fast roh ist.

4. Das Fleisch kann nun roh gefüttert werden.

5. Man sagt, dass das bislang gefütterte Trockenfutter NICHT gemeinsam mit dem Fleisch in einer Mahlzeit gleichzeitig gefüttert werden soll.
Während der Umstellung und auch zukünftig nicht, da Fleisch und Trockenfutter unterschiedlich schnell verdaut werden.

Das wiederum kann zur Folge haben, dass sich dein Hund unwohl fühlt, oder Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Blähungen entstehen können.

Solange eine Umstellung auf rohes Fleisch nicht plötzlich erfolgt, sollte kein gesunder Hund Probleme damit haben. 🙂

„Hunde werden durch die Fütterung von rohem Fleisch aggressiv“

Auch dieser Mythos bringt Menschen nach wie vor dazu, die Fütterung von rohem Fleisch zu vermeiden.

Es gibt keinerlei wissenschaftlich belegte Studien darüber, dass in dieser „Volksweisheit“ nur ein Körnchen Wahrheit liegt.

Mit anderen Worten, es wurde keinerlei Zusammenhang in der Fütterung von rohem Fleisch und Aggressionsverhalten festgestellt.

Ebenfalls wird das Jagdverhalten von Hunden nicht durch die Rohfütterung ausgelöst oder gesteigert.

Im Umkehrschluss würde das schließlich bedeuten, dass alle Hunde, die mit Trockenfutter gefüttert werden, über keinen Jagdtrieb verfügen – und wir wissen: DAS STIMMT DEFINITIV NICHT! 🙂

„Die Fütterung mit Rohfleisch ist kompliziert und zeitaufwändig“

Dass das Füllen einer Futterschüssel mit einer Handvoll Trockenfutter schneller geht, als das Herrichten einer anständigen Mahlzeit ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Dennoch nimmt es nur wenige Minuten in Anspruch, wenn man weiß, WIE:

Es gibt viele Rezepte, Anleitungen und Empfehlungen, wie man seinen Hund mit rohem Fleisch und „Beilage“ füttern kann.
Ich persönlich – und das ist in der Tat nur meine persönliche Meinung – mache keine Wissenschaft daraus und füttere wie folgt:

1. Die Gesamtmenge an Nahrung, die ein Hund in etwa pro Tag zu sich nehmen sollte, sind in etwa 2-3 Prozent seines Körpergewichts – je nach Hund und täglicher Bewegung.

Beispiel: Ein Hund mit 30 Kilogramm Körpergewicht bekommt dementsprechend zwischen 600 und 900 Gramm Nassfutter pro Tag. Das beinhaltet die Hauptmahlzeiten (zB. zweimal pro Tag Nassfutter/Barf-Mahlzeit) plus Leckerchen, Kauartikel etc.

2. Ich füttere in der Regel zwei Drittel Fleisch und ein Drittel „Beilage“ pro Mahlzeit.

Die „Beilage“ kann bei uns alles Mögliche sein: Flocken (ohne Fleischzusatz) wie bspw. Kartoffelflocken gemischt mit Gemüseflocken, Nudeln, Reis, Gemüse (roh püriert oder gekocht), gekochte Kartoffeln etc.

Ich nehme als Beilage quasi das, was gerade daheim ist.
Wenn ich selbst beispielsweise Gemüse, Nudeln etc. koche, koche ich etwas mehr (ungesalzen) mit und meine Hündin hat schon eine leckere Beilage und Abwechslung.

Ansonsten gibt es Flocken – es gibt unterschiedlichste Flockensorten – die man im Handel erwerben kann.
Der österreichische Onlineshop Perro hat eine große Auswahl an Flocken.

Außerdem bieten fast alle Barf-Shops fertige Barf-Menüs an. Das ist besonders praktisch, weil sie schon meist Fleisch, Innereien, Knochen, Gemüse, Obst etc. enthalten.

Die Flocken weicht man in der Regel ein paar Minuten im warmen Wasser ein, sodass sie in etwa auf die doppelte Menge aufquellen. (das bitte bei der Bemessung der Futtermenge beachten)

3. Beim Fleisch variiere ich bei den Sorten.

Ich füttere Fleisch von unterschiedlichen Tieren (zB. Rinderkopffleisch, Pferdefleisch, Straußenfleisch, Wild, Geflügel etc.) und gebe auch zwischendurch Pansen und sonstige Innereien (zB. ein Stück Leber pro Monat für die Vitamin A – Zufuhr).

4. Ein Schuss hochwertiges Pflanzenöl wie Leinsamenöl, Olivenöl, Distelöl, Fischöl etc. runden die Mahlzeit ab.

5. Als Kauartikel füttere ich bspw. Ochsenziemer, oder andere luftgetrocknete Naturartikel, an denen meine Hündin eine Zeitlang kauen kann 🙂

Rohe Knochen sind natürlich auch eine Alternative, wichtig ist aber, dass die Knochen NICHT gekocht gegeben werden dürfen, da sie sonst splittern können und lebensgefährlich für unsere Hunde sind.

Die Fütterung von meiner Hündin nimmt pro Tag 10 Minuten in Anspruch und nicht mehr 😉

„Rohes Fleisch ist teuer“

Mittlerweile gibt es glücklicherweise mehrere Geschäfte und Fachhändler, die eigens rohes Fleisch für die Fütterung von Hunden anbieten.

Entweder fährt man einmal pro Monat direkt zum Händler und kauft sich das tiefgefrorene Fleisch oder man bestellt das Rohfleisch tiefgefroren online bei Anbietern, die die Bestellung nach Hause liefern.

Das Fleisch dann bitte gleich im Gefrierschrank aufbewahren.

Wichtig ist ebenfalls, dass man sich vergewissert, dass die Kühlkette beim Transport nicht unterbrochen wird.

Fragt einfach bei dem Händler nach, ob er dafür auch garantieren kann.
Denn halb aufgetautes Fleisch wieder einzufrieren ist für niemanden gut.

In Wien und Wien Umgebung gibt es einige Fachhändler wie das Naturfutterlädchen, Lovely Pet Care, Hinx, Loy’s, Hundefeinkostladen und vielen mehr.

Auch viele Fleischhauer bieten mittlerweile in ihrem Sortiment Fleisch für Hunde an.

Nun aber zur Preisfrage…. ich möchte hier keine allgemeinen Aussagen treffen, da der Preisvergleich sich natürlich nach dem richtet, was für ein Futter ein Hund vorher zu fressen bekommen hat, bzw. wie billig oder teuer es war.

Meiner Erfahrung nach kostet gefrorenes, rohes Fleisch bzw Barf-Menüs zwischen 6 und 10 Euro pro Kilogramm je nach Fleischsorte.

Meine Hündin wiegt in etwa 30 Kilogramm und wir geben für rohes Fleisch plus Mischflocken ungefähr 80-100 Euro pro Monat aus.

Es gibt auch sehr hochwertige Fleischdosen, die deklariert KEINE tierischen Nebenerzeugnisse beinhalten, sondern echtes (gegartes) Fleisch (zb. Lunderland, Herrmanns, Dog’s Love, Terra Canis etc.).

Hier ist aber zu erwähnen, dass diese Fleischdosen im Verhältnis zum Rohfleisch häufig um einiges teurer als Rohfleisch sind.

„Mein Hund hat so eine tolle Verdauung mit dem Trockenfutter“

Viele Hundehalter berichten mir, dass ihr Vierbeiner eine besonders gut funktionierende Verdauung hätte, daher würden sie nicht vom Trockenfutter weg wollen.

Bei der Nachfrage, woran sie dies fest machen würden, kam immer die Antwort:
„Mein Hund setzt mindestens drei Mal am Tag eine Kothaufen ab. Der hat eine richtig gute Verdauung!“

Ich muss gestehen, ich machte diese Erfahrung auch mit meiner Hündin und dachte damals dasselbe.

Nachdem ich Samy auf Barf-Fütterung umgestellt hatte, musste sie nur mehr einmal bis maximal zweimal pro Tag einen kleinen Haufen absetzen. Hat sie deswegen eine schlechtere Verdauung? Nein – ganz im Gegenteil!

Es ist nur der Beweis dafür, dass der Inhalt von minderwertigem Trockenfutter oder Dosen auch für den Hundemagen als „Abfall“ und wie ein Durchlaufposten behandelt werden – der Abfall wird ausgeschieden!

„Aber mein Hund frisst doch so gerne das Trockenfutter“

Mittlerweile gibt es eine ganze Industrie, die eigens Lockstoffe herstellen, die in die Futtermittel für Hunde (und Katzen) beigemengt werden. Diese Stoffe sind der Hauptgrund, warum Hunde dieses Futter auch (gerne) fressen.

Vielleicht gibt es noch mehr Vorurteile gegen die Fütterung von rohem Fleisch, die nicht in meinem Artikel vorgekommen sind.

Einen Punkt möchte ich aber noch ansprechen – die gefürchtete und lebensbedrohliche Magendrehung.

Die meisten gehen davon aus, dass eine Magendrehung dadurch verursacht wird, dass ein Hund kurz nach dem Fressen tobt und sich viel bewegt und sich dadurch der Magen überschlagen kann.

Vielmehr zeigt die Erfahrung von Tierärzten, dass die meisten Magendrehungen dadurch entstehen, dass der Magen übermäßig Magensäure produzieren kann. Dadurch kann der Magen zum Schwingen gebracht werden und sich somit drehen bzw. „überschlagen“.

Die meisten Magendrehungen passieren erfahrungsgemäß in der Nacht bzw. im Ruhezustand.

Berichte belegen, dass die Fütterung von Trockenfutter die Überproduktion der Magensäure begünstigen kann – auch wenn Trockenfutter selbstverständlich nicht der einzige Grund für einen übersäuerten Magen sind.

Die mir persönlich wichtigsten Punkte habe ich nun angesprochen und hoffe, dass ich dadurch deine Zweifel zerstreuen und einen Denkanstoß bieten konnte, sich mit dem Thema „Gutes Futter für meinen Hund“ zu beschäftigen. 😊

Ich möchte dir noch abschließend ein paar Zitate von Hundehaltern auf den Weg geben, nachdem sie ihren Hund von Trockenfutter oder minderwertigem Dosenfutter auf hochwertige Fleischdosen bzw. rohes Fleisch umgestellt hatten:

„Ich habe das Gefühl, meine Hündin ist das erste Mal in ihrem Leben richtig satt“

„Das Fell hat sich so stark zum Positiven verändert. Unsere Freunde meinten, das Fell fühle sich jetzt an, wie das weiche Fell eines Welpen.“

„Mein Hund hatte immer chronische Ohrenentzündungen. Seitdem wir auf Fleischfütterung umgestellt haben, sind seine Ohren immer sauber. Unglaublich!“

„Seit der Umstellung auf Fleisch, riecht unser Hunde gut. Davor hat er immer gemuffelt.“

„Sogar unserem Tierarzt ist aufgefallen, wie gesund unser Hund aussieht.“

„Mein Hund hat es gar nicht fassen können, als er das erste Mal richtiges Fleisch zum Fressen bekommen hat. Er war so glücklich!“

Falls du weitere Fragen zu Fütterung, Beschaffung von gutem Fleisch, Mischverhältnis und Umstellung hast oder eine Analyse des bislang gefütterten Futters benötigst, kannst du mich für einen Beratungstermin kontaktieren.

Minsi
mobil: 0650 64 67 686
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